Kreisläufe im Garten: eigenes Saatgut vermehren

Eigenes Saatgut zu sammeln und zu vermehren klingt im ersten Moment nach viel Arbeit.
Arbeit, die doch eigentlich überflüssig ist, wo es doch überall Saatgut zu kaufen gibt. Oder etwa doch nicht?

Wenn du dich ein wenig mit dem Thema beschäftigst, wirst du feststellen, dass es einfach toll ist, die Samen deiner selbst angebauten Pflanzen zu vermehren. Es ist nachhaltig in vielerlei Hinsicht, macht Spaß und ist ein Schritt zum naturnahen Gärtnern. Und besonders viel Arbeit macht es übrigens auch nicht.

Es ist also in jedem Fall einen Versuch wert.

Inhalt

WARUM SAATGUTVERMEHRUNG SO WERTVOLL IST

Angesichts des riesigen Angebots an Samen im Internet, in Baumärkten, Supermärkten und Gartencentern stellt sich dir vielleicht die Frage, wieso du überhaupt Saatgut selbst vermehren solltest.

Im Sinne des naturnahen und nachhaltigen Gärtnerns gibt es dafür mehrere gute Gründe:

Eigenes Saatgut zu gewinnen und zu vermehren

  • ist der Inbegriff der Kreislaufwirtschaft und eine einfache Möglichkeit, Kreisläufe im Garten zu etablieren.

    Du kannst den faszinierenden Kreislauf des Lebens im Kleinen miterleben: vom Samen – zur Pflanze – zur Frucht – zum Samen…

  • macht dich unabhängig von großen Konzernen, die uns mit Patenten und dem Saatgutverkauf an sich binden wollen.

  • ermöglicht den Erhalt alter Sorten und fördert bzw. erhält somit die Sortenvielfalt.

  • spart Ressourcen. Deine selbst gesammelten Samen müssen weder extra gezüchtet, noch in Plastik verpackt und transportiert werden. Das spart Wasser und Emissionen.

Außerdem bedeutet Saatgutgewinnung zunächst einmal, dass die Pflanzen blühen dürfen. Über diese zusätzlichen Nahrungsquellen freuen sich natürlich auch die Insekten. Denn, je mehr im Garten blüht, umso reicher ist ihr Tisch gedeckt.

Hierbei zeigt sich wieder einmal, dass Gärtnern für dich kein Widerspruch zum Gärtnern mit und für die Natur ist. Vielmehr profitieren beide Seiten von einer nachhaltigen und naturnahen Art des Gärtnerns und Lebens.

Biene auf Brokkoliblüte

WIR ERNTEN, WAS WIR SÄEN (WERDEN):
WIE DU SAATGUT VON DEINEN PFLANZEN GEWINNST

Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal Blumen gesät und auch gleich wieder Saatgut davon genommen. Die Samen von Blumen zu sammeln ist wirklich einfach. Sie blühen schließlich sowieso und strecken dir ihre Samenstände entgegen, wenn sie verblüht sind.
Du musst also nur noch warten, bis die Samenstände so trocken sind, dass sich die Samen gut lösen oder aus den Samenkapseln schütteln lassen. Anschließend solltest du sie gut verpacken, damit sie ihre Keimfähigkeit bis zur Aussaat nicht verlieren.

Tipps zur Saatgutaufbewahrung findest du übrigens hier.

Saatgutgewinnung von Gemüse

Fruchtgemüse

Bei Gemüse wie Tomaten und Paprika, bei denen dir die Samen schon beim Essen gewissermaßen entgegenkommen, ist das Saatgut sammeln so einfach wie bei den Blumen: Du sammelst die Kerne heraus und lässt sie trocknen.

Bei Tomaten kannst du den „Glibber“, in dem sich die Kerne befinden, auf ein Küchenpapier streichen und sehr gut trocknen lassen.
Zum Säen zerreißt du das Papier, so dass sich auf jedem Stück nur noch ein Kern befindet und pflanzt das Papier einfach mit in die Erde ein.
Oder du feuchtest das Papier an und lässt die Samen in einer Plastiktüte keimen. Die Keimlinge pflanzt du anschließend in Erde aus.

Andere Gemüse

Um das Saatgut von anderen Pflanzen wie Salat, Spinat, Kohl, Wurzelgemüse etc. zu gewinnen, ist ein kleiner Umweg nötig. Du musst die Pflanzen zunächst (ver-) blühen lassen, um anschließend die Samenkapseln zu ernten.

Das Gute daran: es sieht schön aus und die Bienen freuen sich.
Der Nachteil: je nach Gemüse stehen die Pflanzen dafür sehr lange im Beet. Kohl und viele Wurzelgemüse blühen für gewöhnlich erst im zweiten Jahr. Das ist in einem kleinen Garten oder auf dem Balkon oft nicht umsetzbar.

Achtung bei Kürbis und Zucchini!

Bei Kürbis und Zucchini ist die Saatgutgewinnung dank der leicht erreichbaren großen Kerne zwar auch super einfach, aber nur bedingt empfehlenswert.
Durch Kreuzungen können in der Nachfolgegeneration Pflanzen entstehen, die sehr hohe Mengen an giftigen Bitterstoffen enthalten.

Besonders bei selbstgezüchteten Exemplaren solltest du also beim Anschneiden erst einmal probieren. Wenn die Schnittfläche bitter schmeckt, nicht essen.

Um solche Fremdbestäubungen zu vermeiden, müsste man die Blüten in Säckchen packen und von Hand bestäuben. Das gilt übrigens ganz allgemein.
Dieser Aufwand lohnt sich aber höchstens, wenn du ganz gezielt bestimmte Sorten züchten oder erhalten willst.

samenfestes Saatgut

Eine Sache gibt es beim Sammeln von Samen noch zu beachten.
Damit die Pflanzen aus deinen gesammelten Samen die selben Eigenschaften haben wie die Mutterpflanze, muss es sich um sog. samenfeste Sorten handeln. Diese sind für den Nachbau geeignet, während bei Hybridsaatgut die Eigenschaften der Mutterpflanze verloren gehen.

Einen entsprechenden Hinweis findest du normalerweise auf den Saatguttüten.

Samen in der Handfläche
Samenstand Wilde Möhre

Ich hoffe, du hast spätestens jetzt auch Lust bekommen, Saatgut von deinen Pflanzen zu gewinnen.

Wie es nach dem Sammeln weitergeht, kannst du in diesem Blogartikel über die Aufbewahrung deiner Samen nachlesen.

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